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Veröffentlicht am · 2 Min. Lesezeit

Incoterms 2020: Wer zahlt was, und wo geht das Risiko über

Die 11 Incoterms-2020-Klauseln für die Praxis erklärt: Kosten, Risiko, Versicherung und die teuersten Fehler (EXW im Export, FOB beim Container, DDP ohne Blick auf die Umsatzsteuer).

Die Incoterms der Internationalen Handelskammer sind 11 Klauseln, die drei Dinge zwischen Verkäufer und Käufer verteilen: wer welche Teilstrecke bezahlt, wer an welchem Punkt das Risiko trägt und wer welche Formalität erledigt. Eigentum und Zahlung regeln sie nicht — nur Kosten, Risiko und logistische Pflichten.

Die 11 Klauseln in zwei Gruppen

Sieben Klauseln gelten für jeden Verkehrsträger: EXW, FCA, CPT, CIP, DAP, DPU und DDP. Vier sind reine Seefrachtklauseln: FAS, FOB, CFR und CIF. Die Neuerung 2020 war DPU (geliefert benannter Ort, entladen), das DAT ersetzt.

Die Logik der Leiter

Von EXW bis DDP verlagert jede Klausel mehr Kosten und Pflichten auf den Verkäufer. Bei EXW erledigt der Käufer fast alles (Abholung ab Werk inklusive); bei DDP übernimmt der Verkäufer alles, sogar die Einfuhrabfertigung und die Steuern im Bestimmungsland.

Kosten und Risiko reisen nicht immer zusammen

Das ist der häufigste Denkfehler. Bei CPT, CIP, CFR und CIF zahlt der Verkäufer den Hauptlauf, doch das Risiko geht früher über: bei Übergabe an den ersten Frachtführer (CPT/CIP) oder an Bord des Schiffes (CFR/CIF). Geht die Ware unterwegs verloren, ist das das Problem des Käufers — obwohl der Verkäufer die Fracht bezahlt hat.

Versicherung: CIP ist nicht CIF

Nur zwei Klauseln verpflichten zur Versicherung: CIP und CIF, und zwar auf unterschiedlichem Niveau. Seit 2020 verlangt CIP eine Allgefahrendeckung (Institute Cargo Clauses A), während CIF sich mit der Mindestdeckung (Klauseln C) begnügt. Bei wertvoller Ware unter CIF lohnt sich oft eine Zusatzversicherung.

Fehler, die Geld kosten

  • EXW im Export: Der Verkäufer kontrolliert weder die Ausfuhrabfertigung noch erhält er den Ausgangsnachweis für die Umsatzsteuerbefreiung. FCA ist meist die bessere Wahl.
  • FOB beim Container: Die Ware wechselt am Terminal den Besitzer, nicht an Bord. Für Container empfiehlt die ICC FCA.
  • DDP ohne Steuerprüfung: Der Verkäufer wird zum Importeur im Bestimmungsland — mit Umsatzsteuer- und Zollpflichten, die er oft nicht erfüllen kann.

Alle 11 Klauseln, den Risikoübergangspunkt und die Kostenverteilung Teilstrecke für Teilstrecke vergleicht die interaktive Incoterms-2020-Matrix auf dieser Website.